Bei der vom FZ (Frauenlesbenzentrum) aufgerufenen Kundgebung am internationalen FRAUENTAG am 08. März 2026, steuerte die EGGö vorort diese Rede bei.

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REDE AM FRAUENTAG am 08. März 2026

Das FZ (Frauenlesbenzentrum-Wien) hatte zur Teilnahme an der Kundgebung und anschließender Demo aufgerufen.

Die EGGö war dabei und steuerte diese Rede bei.

Eine der größten und traurigsten Lehren, die ich in den letzten Jahren ziehen musste, ist die, dass Fortschritt nicht geradlinig verläuft.

Wer von uns Langzeitfeministinnen hätte gedacht, dass Abtreibung wieder kriminalisiert oder Misshandlung innerhalb der Familie als kulturelle Besonderheit durchgehen könnte? Zum Glück nicht in Österreich, aber in den USA und in GB, die uns in Sachen Gleichstellung und Gleichberechtigung immer Jahrzehnte voraus waren.

Was ist da passiert?

Gar nichts ist passiert, wir haben nur nicht genügend scharf hingeschaut, und zwar auf die weiterhin vorhandene Frauenfeindlichkeit in unseren eigenen Reihen. Und damit meine ich das progressive Lager.

In den 1970ern haben uns Genossen gesagt, dass die Gleichstellung der Frau irgendwann in der Zukunft angegangen werden muss, wenn die Klassenfrage gelöst sei. In den 1990ern mussten wir den Mund halten, wenn wir Bedenken wegen der Zuwanderung aus patriarchalen Gesellschaften äußerten, weil die Solidarität mit „Arbeiter[n] aller Länder“ Vorrang hatte. Heute müssen wir selbstverständliche Errungenschaften wie Frauenhäuser, Frauenquoten, Frauensport, sogar Frauenumkleiden gegen Männer in Frauenkleider verteidigen, weil Geschlecht angeblich unerheblich wurde.

Komischerweise ist Geschlecht durchaus erheblich, wenn uns allein CareArbeit umgehängt wird und Frauen nicht an Schlüsselstellen der Macht gelangen. Aber wenn wir unsere mühsam erkämpften Räume verteidigen, sind wir plötzlich Bigots und Nazi.

Frauenfeindlichkeit trägt nicht mehr Gamsbart, Lodenmantel oder Blaumann allein, sondern auch ZZ Bart, Barrel Jeans oder Noise Cancelling Kopfhörer. Die Fronten verlaufen quer durch.

Die gute Nachricht ist aber: Parteien, die gegen Fraueninteressen verstoßen, werden an der Wahlurne abgestraft. Die SNP hat bei den Unterhauswahlen 80% ihrer Stimmen verloren, die FDP flog aus dem Bundestag, Podemos aus dem spanischen Parlament, in Irland sind die Grünen von 12 Abgeordneten auf 1 heruntergerasselt. Gemeinsamer Nenner: sie wurden für Self-ID-Gesetzgebung verantwortlich gemacht bzw. haben sich wie Kamala Harris in den USA nicht dagegen abgegrenzt. 

Mit anderen Worten: wenn es die Progressiven mit ihrer Frauenfeindlichkeit zu weit treiben, merken es genügend Wähler:innen. Und insofern hat sich durchaus etwas verbessert, die Grundstimmung in der Gesellschaft ist frauenfreundlicher geworden, seit ich im Gymnasium Feministin wurde.

Die Lehren, die ich daraus ziehe, sind:

  1. Schauen wir uns an, wo wir Verbündete finden. Auch im ansonsten politisch gegnerischen Lager. Wir müssen uns nicht lieben. Es reicht, ein Stück des Wegs gemeinsam zu gehen.
  2. Stärken wir die Verbindung mit den Unterstützern in unseren eigenen Reihen. Und da verwende ich bewusst die männliche Form, denn wir haben Männer an unserer Seite. Danke, Burschen. Weiter so.
  3. Sprechen wir vorhandene Ungerechtigkeiten furchtlos an und zeigen wir unsere Unterstützung für mutige Frauen, die sich exponiert haben. Vom einfachen Like auf Social Media, über unterstützende Kommentare bis zu Spenden für Crowd Funding.

Wenn wir miteinander ins Gespräch kommen, werden wir sicher noch weitere Möglichkeiten entwickeln.

Unser Weg ist lang und er nimmt Umwege, aber er lohnt sich.

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